Ich bin davon überzeugt, dass zu viel Reichtum nicht von Nutzen ist. Nicht für den Einzelnen und nicht für Gesellschaften.
Es gibt verschiedene Gründe warum Reichtum nicht von Nutzen ist.
Die meisten Leute können mit ihrem Reichtum nicht umgehen. Oft, wenn sie wirklich reich sind, nimmt ihnen ihr Reichtum ihre Freiheit in einer praktischen oder unpraktischen Weise.
Wirklicher Reichtum zieht Aufmerksamkeit und Neid an. Aufmerksamkeit und Neid enden in sozialer Kontrolle.
Die einzigen wirklichen Werte im Leben sind optimale Orgasmen und ein sanfter Tod. Eine luxuriöse Villa zu besitzen, selbst mit einem eigenen Golfplatz, ist kein echter Wert. Nicht, wenn es ein goldener Käfig ist.
Die meisten sehr reichen Männer und die berühmtesten, haben schlechten Sex. Ihr Reichtum oder Berühmtheit schränkt sie allzu sehr ein: Paparazzis, oder die Presse im Allgemeinen, sorgen gut dafür, daß sie sich benehmen, wo immer sie hingehen (denn sie haben einen Ruf zu verlieren). Es gibt nur wenige Gelegenheiten von der Art, die zählt: neue sexuelle Gelegenheiten.
Reichtum ist nur dann nützlich, wenn es versteckter Reichtum ist. Wenn Du Dein Leben ohne Überwachung leben kannst aber die Mittel hast, auszuprobieren wo Du leben willst oder Doppelleben zu leben.
Bekannter Reichtum und Ruhm sind kontraproduktiv, nicht nur für sexuelle Gelegenheiten, sondern auch für die zweite Sache, die im Leben zählt: Ein sanfter Tod.
Sieh Dir den armen Ariel Sharon an! Einer anderen Person hätten sie es gestattet, einen würdigen Tod nach so einem massiven Schlaganfall zu sterben. Aber Ariel Sharon wurde durch medizinische Technik am Leben erhalten, weil er ein wichtiger Politiker war.
Er wurde in ein künstliches Koma versetzt und als die Ärzte die Menge Sedativa reduzierten, verkündeten sie stolz vor den Fernsehkameras: Ariel Sharon reagiert auf Schmerzreize.
Ja, ich kann mir vorstellen, wie er an die Drähte eines Neurologie Professors angeschlossen ist, gerade wie ein Labor Schimpanse, und wenn der Professor elektrische Spannung durch die Drähte schickt, dann reagieren beide auf Schmerzreize, der Schimpanse und Ariel Sharon nach seinem Schlaganfall.
Nein, wenn es wirklich zählt, ist es oft kein persönlicher Vorteil reich oder berühmt zu sein. Ein sanfter Tod (derart wie er Ariel Sharon und anderen wichtigen Politikern vor ihm verweigert wurde) ist einer der wichtigsten Werte im Leben.
Vor einigen Jahren starb einer meiner Neffen an einer Überdosis Opiaten. Ja, meine Schwester, dessen Sohn er war, trauerte wirklich sehr. Und sie redete viele Monate nicht mehr mit mir, nachdem ich ihr gesagt hatte, daß ihre Trauer natürlich egoistisch war. Sie bemitleidete sich selbst, nicht ihren Sohn.
Nach allem was wir über den Tod durch eine Überdosis Opiate wissen, hatte er einen guten Tod. Unbeabsichtigt, frei von Schmerz. Überdosen von Opiaten sind tödlich, weil sie das Atemzentrum der Nervenzellen im Stammhirn unterdrücken. Grundsätzlich vergißt die Person einfach zu atmen und fühlt keine Panik.
Ein ziemlich bekannter deutsche Journalist, mit dem ich in den frühen 80igern Asien abdeckte, starb vor nicht allzu langer Zeit an Krebs. Das Magazin, für das er arbeitete schrieb, daß er sich, nachdem er die Diagnose erhalten hatte, in ein Versteck im Himalaya zurückzog und dort ohne Behandlung, einfach meditierend, seinen Tod erwartete und seine Familie in Deutschland zurück ließ.
Ich weiss nicht, ob die Details wahr sind oder nicht. Aber ich weiß, daß viele Krebsarten sehr schmerzhaft sind.
Wenn ich an Krebs erkrankt wäre, würde ich es eventuell auch vorziehen, mein Ende irgendwo im Himalaya zu erwarten. Wenigstens ist dies ein Teil der Welt, der über den Gebrauch von Opiaten sehr nachsichtig ist.
Vielleicht kann Meditation genauso wie Medikation gegen Schmerzen durch Krebs helfen. Aber nicht wenn Du nach der Krebs Diagnose anfängst zu meditieren. Damit Meditation anstelle von Schmerzmitteln helfen soll, braucht man möglicherweise eine lebenslange Meditationserfahrung und der biologische Effekt gegen Krebsschmerz würde auf Endorphinen beruhen... Substanzen, die der Körper herstellt und die chemisch fast mit Morphin identisch sind.
Zu reich zu sein ist heikel. Es ist hinderlich, wenn man die einzigen Belohnungen im Leben sucht, die zählen: Optimale Orgasmen mit vielen Sexualpartnern und, danach, einen sanften Tod.
Heutzutage schlagen Leute, die zu reich geworden sind, ihre Zeit mit Golfspielen tot. Und vor hundert Jahren spielten die Frauen sehr reicher Männer Bridge. Und sie entwickelten Neurosen, die Sigmund Freud zu heilen versuchte. Reiche Ehefrauen aus goldenen Käfigen waren Freuds vorwiegende Patientinnen. Die Frauen armer Männer, die nicht in goldenen Käfigen gehalten wurden, hatten auch Probleme, aber sie bekamen nicht die mentale Störung genannt Neurose.
Neurosen entwickeln sich typischerweise in einer überorganisierten, materiell reichen Umgebung. Unangemessen organisiert. Es gibt eine definitive Verbindung zwischen dem Reichtum einer Umgebung und dem Grad ihrer Fehlorganisation. Die Organisation einer Umgebung erfordert materielle Ressourcen, genau wie in der Physik erfordert jede Art von Ordnung einen Input an Energie.
Unglücklicherweise organisieren sich menschliche Gesellschaften eher ungeeignet als angemessen, wo immer sie reicher sind, als für einen dauerhaften grundsätzlichen Frieden nötig.
Nimm zum Beispiel die moslemische Welt. Während es arme Moslem Gesellschaften gab, die ebenfalls repressiv waren (wie Afghanistan unter den Taliban), ist die Wahrscheinlichkeit von Unterdrückung in Moslem Gesellschaften proportional zu dem Grad des Reichtums, den ein Land erreicht hat.
Daher sind Saudi Arabien, Kuwait und Brunei repressiver als Marokko und Indonesien. Der Punkt ist: Unterdrückung und soziale Kontrolle erfordern Ressourcen, die arme Länder nicht haben.
Oft ist es besser für die Bürger wenn ihre Länder nicht die Mittel besitzen, um auf dem Weg der Organisation zu weit zu gehen. Nein, normalerweise wissen Leute nicht, was sie wollen. Oft fehlt ihnen die intellektuelle Kapazität, um zu verstehen, was gut für sie ist und daher ist es meist besser, wenn eine Regierung nicht die Mittel hat um zu setzen, was die Leute vermutlich wollen (außer Frieden).
Ich möchte mich noch einmal auf moslemische Länder beziehen. Du kannst z.B. viele saudische Männer treffen, die über die Situation in ihrem Land so frustriert sind, daß sie regelmäßig im Ausland nach sexuellen Abenteuern suchen. Aber zur gleichen Zeit geben sie an, sie seien Moslems und daß Saudi Arabien korrekt nach den Regeln des Islams organisiert ist. Es ist ein Anachronismus, daß viele saudische Männer nicht in der Lage sind, dies intellektuell zu bewältigen.
Wenn ihr Land ärmer wäre, bestünde eine zunehmende Möglichkeit (gleichwohl keine Garantie), daß dieser Anachronismus nicht entwickelt würde, oder wenigstens nicht in ausgeprägter Weise.
Fakt ist, dass obwohl Menschen von einem Staat beschützt werden möchten, sie doch nicht wollen, von einem Staat eingeschränkt zu werden. Für die Leute ist es oft am besten, wenn der Staat gerade reich genug ist, seine Bürger zu schützen, aber nicht so reich, sich viel stärker zu organisieren.
Es gibt viele Fälle in denen der Reichtum eines Landes zu einer Umgebung geführt hat, die weniger für das Glücklichsein geeignet ist, verglichen mit einem Land, das weniger reich ist. Nimm Singapur.
Leute wohnten in Ladenhäusern, oft ohne angemessene sanitäre Einrichtungen. Diese Ladenhäuser dienten auch als Werkstätten und sie waren so überfüllt, daß viele Aktivitäten außerhalb der Ladenhäuser in den Gassen stattfanden.
Aber die Regierung Singapurs hat jahrelang Anstrengungen unternommen, moderne Wohnviertel für alle ihre Bürger bereit zu stellen (klingt gut) und das ist es, was sie erreicht haben. Die meisten Singapurer leben nun in Mietwohnungen und der älteren Generation, die es gewohnt war unter überfüllten Bedingungen m it ihren Kindern und Enkeln zu wohnen, wurden eigene Einheiten in Appartement Hochhäusern zur Verfügung gestellt. Und statt mit den Nachbarn zu kommunizieren und Teil der täglichen Aktivitäten in den überfüllten Gassen zu sein, verbringen sie nun ihre Tage allein und mit dem Ansehen von Seifenopern. Was für ein schöner Fortschritt! Wie gesagt: die Reichtum Falle.
Aber viele dieser alten Singapurianer wissen nicht, womit sie unzufrieden sein sollen. Die Regierung Singapurs wachte über das Land während es sich in ca. 30 Jahren von einem Dritte Welt (so sehen sie es) in ein Erste Welt Land entwickelte. Das kann nicht schlecht sein! Zu reich kann nicht falsch sein! Und die Regierungspartei wird jedesmal mit großen Mehrheiten wieder gewählt, wann immer Singapurer zu einer Wahl gehen.
Wahlen! Die konventionelle Theorie unterstellt, dass die Menschen ihre interessen kennen und gemäß ihrer Hoffnungen wählen. Aber die meisten Leute wissen nicht wirklich was sie wollen.
Sie können nicht ausdrücken, weder in Worten und nicht einmal in gedanklichen Bildern, was sie wollen und noch viel weniger was ihre Interessen sind. Die Singapurer, die sich in ihren Wohnungen langweilen, werden die Reichtum Falle nicht verstehen und weiterhin die Regierung wählen, die das Land reich gemacht hat.
Hier in Südost Asien ziehen die meisten Reisenden die ärmeren Länder vor: Vietnam vor China, Kambodscha vor Thailand, Indonesien vor Singapur. Sie denken, daß die Leute in den bevorzugten Ländern freundlicher sind. Sie erkennen nicht, daß sie dieser Länder mögen weil sie ärmer sind und das heißt vor allen Dingen: weniger organisiert. Es gibt weit mehr Charme aus der Unorganisiertheit, die mit der Armut einher geht, als aus der Ordnung, die mit dem Reichtum kommt.
Weiterhin besteht eine klare Tendenz, dass die Vergnügen, denen man in armen Ländern nachgehen kann echter sind als die, auf die in reichen Ländern wert gelegt wird. Weil die Menschen in reichen Ländern Geld zum Ausgeben haben, sind sie Konsumenten. Konsumenten sind die Zielgruppe derer, die etwas zu verkaufen haben.
Aber industriell hergestellte Vergnügungen (von Videospielen bis zu Fußballspielen und von Hollywood Dramas zu Fernsehshows oder von Haar-Styling bis zu Angeberautos) sind Ersatz Vergnügen. Damit Menschen zu zahlenden Konsumenten für Ersatzvergnügen werden, bedarf es eines gewissen Grades an Mangel echter Vergnügen (sexuelle Befriedigung).
Es gibt ein massives kommerzielles Interesse eine Gesellschaft zu entsexualisieren oder anders: Sexualität Konsumprodukten zu zuordnen, anstatt Menschen unkomplizierten Geschlechtsverkehr haben zu lassen.
Das alles trägt zu dem bei, was ich die Reichtum Falle nenne: Wenn Menschen wenn sie reich sind, weniger glücklich sind, als sie wären, wenn sie arm wären.