Dies Manifest ist freeware. Ich beabsichtige nicht, irgendeinen
Nutzen daraus zu ziehen, weder finanziell noch intellektuell. Für
mich steht hier auf der Tagesordnung ein politisches Thema. Ich
möchte in einer anderen, einer freieren Welt leben. Und obwohl ich
kaum hoffen kann, lange genug zu leben, um mich am Durchbruch der
hier skizzierten Ideologie zu erfreuen, gibt es doch eine kleine
Chance dazu. Diese Hoffnung ist das, was mich antreibt.
Dies Manifest ist freeware. Es darf kopiert werden, in Auszügen oder
komplett, und in freizügig auf jede andere Weise verwendet werden.
Ich erhebe keine Copyrightansprüche darauf, und obwohl mein Name
gerne drunter gesetzt werden kann, braucht das niemand zu tun. Wer
immer will, mag es sogar als sein eigenes ausgeben.
Kein Gott
Jedwede wissenschaftliche Evidenz untermauert die Einschätzung, daß
es sowas wie Gott nicht gibt. Mit anderen Worten, Religionen sind
Illusionen. Stimmt schon, weder die Existenz noch die Nicht-Existenz
eines Gottes kann bewiesen werden. Nur, die Wahrscheinlichkeit, daß
ein nichtexistierendes Wesen keinerlei Spuren hinterläßt, ist weit
höher als die Wahrscheinlichkeit, daß ein existierendes Wesen
keinerlei Spuren hinterläßt.
Und, weil es solche Spuren nicht gibt (jedenfalls keine, die
wissenschaftlicher Prüfung standhalten), können wir mit hinreichender
Sicherheit annehmen, daß es Gott nicht gibt.
Das gleiche gilt für die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt
oder ob wir danach bei Gott sind.
Reichtum des Lebens
Da es Gott nicht gibt, Religion keinen Sinn macht und genausowenig
ein Leben nach dem Tod - wo-auch-immer, kann Glück und Erfüllung nur
in diesem Leben erreicht werden.
Wenn es nichts außer diesem Leben gibt, hat das Leben, prinzipiell
gesehen, auch keinen höheren Sinn. Es ist völlig egal, ob wir heute
sterben oder in hundert Jahren. Im Vergleich zur Unendlichkeit der
Zeit ist unsere Lebenszeit ohnehin unglaublich kurz.
Es ist außerdem ziemlich offenkundig, daß jedes lebende Wesen,
einschließlich der Spezies Homo sapiens sapiens, eine weitaus höhere
Fähigkeit hat zu leiden, als glücklich zu sein. Das ist Teil des
genetischen Designs eines jeden Lebewesens, da es seine Fähigkeit zu
Überleben erweitert.
Da unser Leben so unglaublich kurz ist, und es nach dem Tod nichts
gibt, da die Wahrscheinlichkeit zu leiden weit größer ist als die,
glücklich zu sein, ferner, da Leiden sich immer mehr verschlimmern
kann, wohingegen Glücklichsein unter Umständen nur in Langweile
versandet, scheint es Sinn zu machen anzunehmen, daß es besser wäre
tot zu sein, denn lebendig.
Nur: das genetische Design unserer rationalen und emotionalen
Strukturen hält uns davon ab, unserem Leben ein Ende zu setzen. Auch
dies ist eine biologische Grundlage des Lebens selbst, da es die
Chancen einer Spezies, zu überleben, erhöht.
Es macht keinen Sinn, über unsere genetischen Grundlagen zu jammern,
die uns daran hindern, unserem Leben einfach ein Ende zu setzen -
nachdem wir gerade logisch gefolgert haben, es wäre besser tot denn
lebendig zu sein. Die Option Selbstmord ist schlicht nicht vorhanden.
Wir könnten pragmatisch danach streben, wenn wir eh sterben müssen,
wenigstens einen sanften Tod zu haben. Der ultimativ sanfte Tod ist:
natürlich, unvorhergesehen im Schlaf zu sterben.
Alles, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß eine nennenswerte
Anzahl von Menschen genau auf diese Weise sterben, wäre eine prima
Forderung in jedem politischen Programm... in einer weit
fortgeschrittenen Gesellschaft, nicht in der unserigen.
Außer einem sanften Tod ist der einzige weitere biologische Wert im
Leben der, optimale sexuelle Erfüllung zu genießen. Nur in den
Momenten, in denen wir einen Orgasmus erfahren, können wir
authentisch die elementare Sinnlosigkeit unserer Existenz vergessen.
Auch hier wieder gilt, alles, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß
eine nennenswerte Zahl von Menschen mehr und bessere Orgasmen erlebt,
wäre ein wirklich sinnvoller Programmpunkt in einem politischen
Konzept. Aber auch dafür ist bis dato keine gegenwärtigen
Gesellschaften reif genug, einen solchen Standpunkt in den
Mittelpunkt irgendeines politischen Programms zu stellen.
Die Grundlage menschlicher Solidarität
Menschen, die gemeinsam sterben müssen und dies akzeptiert haben,
entwickeln von ganz alleine ein Gefühl von Solidarität. Wenn wir alle
das Schicksal des Sterbens (auf natürliche Weise) erleiden müssen,
fühlt es sich nicht gut an, die verbleibenden Tag anderer zu
verschlimmern. Es fühlt sich besser an, einander zu unterstützen.
Infolgedessen hat Verbreitung des Wissens über die Grundlagen des
Menschseins, wie oben dargestellt, einen befriedenden Effekt. Es
fördert die Sicherheit menschlicher Gesellschaften.
Aus den primären biologischen Interessen eines jeden Menschen,
(1) einen friedlich sanften Übergang zur Nicht-Existenz zu haben und
(2) optimale sexuelle Erfüllung davor,
können zwei weitere sekundäre, soziale Werte abgeleitet werden. Diese
Werte sind sekundär, da sie sich rechtfertigen daraus, daß erst sie
jedem individuellen Mitglied der Gesellschaft die Erfüllung der
primären, biologischen Werte ermöglichen..
Diese zwei sozialen Werte sind Sicherheit und Freiheit. Obwohl beide
Werte mit den primären Werten zusammenhängen, hängt Sicherheit mehr
mit einem sanften Tod zusammen als mit optimaler sexueller Erfüllung
zusammen, und Freiheit mehr mit optimaler sexueller Erfüllung als
mit dem Wert sanfter Tod.
Weiterhin ist das Hervorheben sozialer Werte wie Freiheit und
Sicherheit besser als prinzipielle philosophische Werte geeignet, das
ideologische Grundgerüst politischer Alltagsarbeit zu liefern. Denn
jeder versteht den Wert von Freiheit und Sicherheit - auch der,
dessen philosophisches Konzept sich unterscheidet von dem, was ich
oben gesagt habe.
Freiheit
Die Begrenzungen menschlicher Freiheit durch unsere Natürlichkeit
sind evident, das brauchen wir hier nicht erörtern. Beschränken wir
uns hier auf menschengemachte Schranken der Freiheit. Die meisten
dieser Schranken haben mit der Existenz von Staaten zu tun. (Der
Begriff "Staaten" wird hier in seiner internationalen Bedeutung
verwendet, also bezüglich Regierungen und Regierungsapparaten
unabhängiger Länder, nicht im Sinne der Bundesstaaten wie in den US).
Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß sich irgendjeman "zu frei"
fühlen wird, genauso wie sich kaum jemand darüber beschweren wird,
"zu glücklich" zu sein. Gehen wir deshalb praktischerweise davon aus,
daß jedermann mehr Freiheit begrüßen wird. Aus dem Grund ist dies ein
politisches Programm mit großer Anziehungskraft, selbst für die, die
unsere prinzipiellen philosophischen Werte nicht teilen.
Während nicht jede persönliche Freiheit, die politisch durchgesetzt
wird, relevant ist für die philosophische Forderung nach optimalen
sexuellen Erfahrungen, ist es unwahrscheinlich, daß mehr persönliche
Freiheit auf irgendeinem Gebiet in sexueller Hinsicht kontraproduktiv
sein könnte. Aus diesem Grund können wir uns jeder Freiheitsbewegung
anschließen, ohne uns an Diskussionen über weitere politische
Freiheiten beteiligen zu müssen.
Wir unterstützen insbesondere diese Freiheits-Forderungen:
1. Das Recht auf Selbstbestimmung einer jeden homogenen Gruppierung
von Menschen, sei sie ethnisch basiert, auf der Grundlage einer
Sprache oder sogar religiös bestimmt. Es gibt keinen Grund, warum es
nicht 5.000 Staaten auf der Erde geben sollte. Eine solche Vielfalt
wird es im Gegenteil den sexual- und freiheitsfeindlichen Kräften
sehr viel schwerer machen (wie, ironischerweise, den Vereinigten
Staaten von Amerika, die sich legitimieren mit der Beschwörung von
Freiheit - andere Staaten zu kontrollieren.)
2. In bestehenden Staaten so viel Föderalismus, regionale und lokale
Autonomie, wie möglich.
3. In bestehenden Staaten so wenig Gesetze wie möglich. Staaten
sollten nicht bestimmen, was Menschen mit und für ihre eigenen Körper
tun. Sie sollen sich nicht einmischen in das, was Menschen
untereinander ausmachen. Staaten sollen sich nicht um Dinge kümmern,
die nicht mit der Sicherheit einer Gesellschaft zu tun haben.
4. Keine extraterritorialen Gesetze welche auch immer.
Sicherheit
Obwohl wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt oft erfahren müssen, daß sich
Staaten ungefragt in unsere persönliche Freiheit einmischen, werden
Staaten und ihre ausführenden Organe Polizei und Militär wohl immer
notwendig sein. Nur romantische Träumer befürworten ihr völliges
Verschwinden.
Die prinzipielle Rechtfertigung für Staaten ist, für Sicherheit zu
sorgen. Und nur Sicherheitsfragen sind hinreichende Gründe, die
persönliche Freiheit seiner Bürger einzuschränken.
Dieses Konzept ist natürlich nicht neu. Wir finden es schon bei
Thomas Hobbes, sogar in der alten griechischen Philosophie, und es
war eine wichtige Grundlage bei der Formulierung der Verfassung der
Vereinigten Staaten von Amerika.
Aber die Schönheit und Unverfälschtheit dieses Konzeptes ist schon
lange verloren gegangen, sogar in Staaten, bei deren Gründung es eine
Rolle spielte. Zentralisierte Regierungen und machtbesessene
Gesetzgeber mischen sich in immer mehr Angelegenheiten ihrer eigenen
Bürger ein.
Obwohl man auf Staaten nicht verzichten kann, sollte ihre Macht auf
breiter Basis reduziert werden. Staaten sollten sich wirklich um
nichts anderes kümmern als um die Sicherheit ihrer Bürger.
Das heißt keineswegs, daß Menschen sich nicht organisieren sollen,
auch große Organisationen werden gebraucht. Bildung und Erziehung
bedarf der Organisation, genauso wie Kommunikationsnetze,
Warenaustausch und Information.
Aber solche Organisationen müssen nicht unbedingt die Form und
Struktur von Staatsorganisationen haben mit Gesetzgebung und
staatlichen Zwangsmaßnahmen. Das können auch private
Serviceunternehmen leisten, oder es kann in der Form von
Gemeinschaften geschehen, denen man sich auf freiwilliger Basis
anschließt.
Das einzige, das wirklich mit gewissen Zwangsmaßnahmen sichergestellt
werden muß, ist ein friedliches Zusammenleben, entweder um es
wiederherzustellen oder um zu verhindern, daß es unterminiert wird.
Staaten haben kein Recht, den Menschen vorzuschreiben, wie sie leben
sollen, auch dann nicht, wenn es für sie zum Besten ist. Einzige
Ausnahme: um zu verhindern, daß auf jemanden Gewalt angewendet oder
damit gedroht wird.
Recht
Staatliche Justiz wird benötigt nur dann, wenn eine gütliche Regelung
nicht erzielt werden kann zwischen jemand, der sich geschädigt fühlt
von einem anderen, der ihn schädigt. Jedoch soll kein Kompromiß oder
eine Anzeige möglich sein, wenn die geschädigte Person ihr Leben
verloren hat.